Ich habe den gestern erwähnten Aushang doch noch online gefunden:

zFrb_Kein Raum fuer Uebergriffe_Plakat Kopie

Meine Bemerkungen über die Fadenscheinigkeit der Begründungen, mit denen man sich bemühen könnte, diesem Aushang einen praktischen Zweck und Nutzen zuzuschreiben, bleiben bestehen: Muss man wirklich extra darauf hingewiesen werden, dass man Fremden nicht ungefragt Pornobilder zeigt, dass man sich ihnen nicht gegen ihren Willen „physisch“ annähert und dass unerwünschte Kontaktaufnahmen … unerwünscht sind? Auf der anderen Seite: „Sagen Sie der Person, dass Sie sich durch ihr Verhalten belästigt fühlen!“ Ja, Captain Obvious, das wäre in der Tat ein guter Anfang! Wäre eine Frau nie drauf gekommen; die sind ja nicht so helle, wie die Feministinnen am besten wissen.

Und ich will nicht spitzfindig sein, aber ich habe viele Beispiele für „unerwünschte, wiederholte Kontaktaufnahmen“ erlebt, die mir überhaupt nicht „sexualisiert“ vorkamen – wir möchten mit Ihnen über Jesus sprechen. Aber man kann natürlich auch die ganze Welt sexualisieren, wenn man denn unbedingt möchte. Dafür soll es ja sogar extra Beauftragte geben.

Interessant an den offiziellen Informationen über diese Aktion ist, dass es im Wesentlichen keine gibt. Wir machen eine Plakatkampagne, Punkt. Keine Begründung, kein Anlass, keine Auskunft über zu erreichende Ziele oder erhoffte Wirkungsweise, keine Informationen über das Ausmaß des Problems der sexuellen Belästigung in öffentlichen Bibliotheken. Vergleiche dazu:

ZEIT: Wo geschehen die sexuellen Übergriffe?

List: Wenn sie an der Uni passieren, dann meist in Seminarräumen oder in Büros. Häufiger aber da, wo niemand damit rechnet: in der eigenen Wohnung oder in der Wohnung eines Bekannten.

Eher nicht in der Bibliothek also – wer hätte es geahnt.

Immerhin deutet die Bezeichnung „Plakatkampagne“ aber darauf hin, dass der Spuk irgendwann vorbei ist.

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