Das Internet im Allgemeinen und Achdomina im Speziellen hatte schon gelegentlich Spaß mit dem Beitrittsformular der Grünen Jugend, das unter „Geschlecht“ folgende Auswahlmöglichkeiten anbietet:

weiblich

Anscheinend gab es darauf irritierte Reaktionen, denn inzwischen wurde Folgendes hinzugefügt:

Du stellst Dir die Frage, warum wir im Formular nur zwischen „weiblich“ und „nicht-weiblich“ unterscheiden? HIER findest du unsere Antwort dazu.

Na dann mal los.

Um es kurz zu machen: Wir haben mit dieser Abfrage das Ziel, Diskriminierung zu bekämpfen:

  • die Diskriminierung von Frauen, indem wir zu statistischen Zwecken und für Frauenförderungsmaßnahmen den Frauenanteil messen

Dingdingdingdingdingding! Sorry, mein Bullshit-Detektor. Der Frauenanteil ließe sich mit einer Mann-Frau-Abfrage genauso gut messen.

  • die Diskriminierung von Menschen, die sich in dem Mann-Frau-Schema nicht wiederfinden können oder wollen (z.B. Intersexuelle, Transsexuelle und Transgender)

Dingdingdingdingdingding! Sorry, aber für die ließe sich ohne Weiteres eine dritte Antwortmöglichkeit einbauen. Und ich stecke da ja nicht so drin, aber wenn, wie doch der Unterstrich behauptet, männlich und weiblich Extrempositionen eines Kontinuums sind, zwischen denen sich noch so viel anderes befindet, dann sind die dazwischen auch nicht entweder „weiblich“ oder „nicht weiblich“, sondern mehr oder weniger weiblich. „Weiblich/nicht weiblich“ ist wiederum: ein binäres Schema. Sonderlich respektvoll ist es übrigens auch nicht, wenn es so viele verschiedene diskriminierte Geschlechtsidentitäten gibt, die alle zusammen in einen Pott zu schmeißen, weil sie gemeinsam etwas nicht sind. Macht man sie damit nicht unsichtbar, etwa so wie mit dem Männlichen als Norm?

A propos männlich, nun geht’s zur Sache:

Deshalb fragen wir lediglich ab, ob eine Person, die bei uns Mitglied werden möchte, weiblich oder eben nicht weiblich ist. Eine Diskriminierung von Männern und Jungen liegt durch eine solche Abfrage keinesfalls vor. Weder das Allgemeine Gleichbehandlungs Gesetz (AGG) noch andere wissenschaftliche Quellen liefern dazu Anhaltspunkte.

Andere wissenschaftliche Quellen als das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz? 

boshaft

Die letzten zwei Sätze sollten wir uns jedenfalls merken. Wann immer von Diskriminierung die Rede ist, sagen wir in schönstem Bürokratendeutsch: „Eine Diskriminierung liegt nicht vor“. Und die Annahme, durch den Gebrauch des generischen Maskulinums würden mit verheerenden diskriminatorischen Folgen Frauen „unsichtbar gemacht“, dürfte ja auch vom Tisch sein, wenn keine wissenschaftlichen Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass selbst gezielte und absichtsvolle Verrenkungen zur sprachlichen Neutralisierung von Männern keine Diskriminierung darstellen.

Bleibt nur zu fragen, warum „Geschlecht (biologisch)“ in „Geschlecht/Gender“ geändert wurde – ich dachte, es wäre so wichtig, dass Geschlecht und Gender nicht das gleiche sind? Aber in einem Jahr ist das vielleicht auch, äh, „geklärt“. Ich jedenfalls gebe die Hoffnung nicht auf, dass es der Grünen Jugend eines Tages gelingen wird, ein Online-Formular ohne theoretische Widersprüche zu entwickeln.

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