Seit ein paar Monaten verfolge ich den Youtube-Kanal des britischen Videobloggers Sargon of Akkad, der ziemlich regelmäßig produziert, was wohl damit zusammenhängt, dass er im Moment davon (zu einem klitzekleinen Teil auch von mir) lebt. In seinen wöchentlichen Rückblicken auf besonders dämliche Entwicklungen des Zeitgeschehens namens „This Week in Stupid“, die meist etwa eine halbe Stunde bis eine Stunde lang sind, nehmen auch immer wieder Feminismus und verwandte „Social Justice“-Themen vordere Plätze ein.

Nun hat er das Format erstmals auf ein ganzes Jahr angewendet und ein „This Year in Stupid: 2014“ produziert, das am 1. Januar erschienen ist. Wer starke Nerven hat und vielleicht darin Trost findet, wenn ein rhetorisch versierter junger Mann die schlimmsten ideologischen Entgleisungen und ihre Urheber in schönem britischem Englisch wenigstens beschimpft, dem sei das Teil und der Channel insgesamt empfohlen. Kranke westliche Eliten.

Weil Sargon immer die Links zu den kommentierten Artikeln liefert, kann ich im Folgenden ein paar ausgewählte Highlights präsentieren. Wer z.B. Genderama regelmäßig liest, wird einiges schon kennen – aber das ist ja normal bei Jahresrückblicken, und ich kannte vieles auch noch nicht und habe allzu Bekanntes bei der Auswahl eher weggelassen.

  • Manspreading: Der öffentliche Nahverkehr in Toronto kündigt eine Kampagne gegen breitbeinig in der U-Bahn sitzende Männer an, New York schließt sich an.
  • New Statesman: Warum Furzen und andere Körperfunktionen Themen für den Feminismus sind. „Im Gegensatz zum weiblichen Körper ist es dem männlichen Körper erlaubt, einfach zu sein: den Raum zu füllen, die Beine weit gespreizt, der Luft seine eigenen Geräusche und Gerüche hinzufügend. Sich das Recht herauszunehmen, ein kleines Bisschen abstoßend zu sein – auf die Straße zu spucken, im Scherz zum Furzen eine Hinterbacke anzuheben -, ist, würde ich behaupten, eine Art von Privileg.“ Weiter deliriert die Autorin dann noch in von ihr selbst anscheinend unbemerkter Menschenverachtung, dass Frauen mit Sexpuppen konkurrieren müssen, die ja haarlos sind, nicht schwitzen, nicht aufs Klo müssen usw. Die emanzipierte Frau ist abstoßend – sage nicht ich, sagen Feministinnen.
  • Fünf Gründe, warum Tierrechte ein Thema für den Feminismus sind. Ist doch klar, weil Tiere auch unterdrückt und „objektifiziert“ werden. „Tierkörper werden benutzt, um Rape Culture zu normalisieren“; das Leben weiblicher Tiere in der Tierzucht ist von Vergewaltigung geprägt (sic!). „Dies ist die Realität: People of Color, Frauen, Menschen mit Behinderungen, die LGBTQIA+-Community usw. haben es schlecht. Und Tiere haben es auch schlecht […].“ Noch Fragen?
  • Im „seriösen“ Magazin Salon.com zu Weihnachten: Gott hat die heilige Jungfrau Maria ohne ihre Einwilligung Schwanger gemacht: Vergewaltigung.
  • Der britische Telegraph freut sich, dass der Gender Pay Gap so „klein“ ist wie noch nie: Frauen in ihren 20ern und 30ern verdienen jetzt mehr als Männer dieser Altersgruppen. Jetzt, so der Telegraph, muss daher allen Frauen geholfen werden, erfolgreich zu sein.
  • Jessica „I bathe in Male Tears“ Valenti fragt, warum Tampons nicht umsonst sind, obwohl doch die Hälfte der Bevölkerung sie braucht. Tja, warum ist Brot nicht umsonst? Weil die andere Hälfte der Bevölkerung es auch braucht?
  • Nochmal Salon.com: Feministinnen haben gemerkt, dass diejenige gesellschaftliche Gruppe, die auf der Privilegienrangleiter einen knappen zweiten Platz hinter weißen Männern einnimmt, die der weißen Frauen ist. Deswegen müssen schwarze Frauen jetzt gegen das Privileg weißer Frauen kämpfen, den Feminismus zu vertreten. Oder so.
  • Schulen in Nebraska geben eine Handanweisung an Lehrer heraus, die dazu auffordert, Kinder wegen Gender und so nicht mehr mit „Jungen und Mädchen“ o.ä. anzureden und sie am Anfang des Schuljahres nach ihren bevorzugten Anreden und Pronomina zu fragen. Wenn Kinder selbst so etwas wie „Jungen und Mädchen“ sagen, sollen die Lehrer intervenieren. Wenn Geschlecht überhaupt erwähnt werden muss, sollen die Optionen „Junge, Mädchen, beides oder keins von beiden“ sein. (Hier das Merkblatt als PDF.)
  • Ein Zehnjähriger wird von der Schule suspendiert, weil er mit der Hand eine imaginäre Pistole geformt und damit imaginär auf einen anderen Schüler geschossen hat.
  • Studenten an der University of California in Los Angeles stürmen Vorlesungen (wie die Roten Khmer von Professx Hornscheidt – ich verlinke das gerne immer wieder) und beklagen sich über rassistische Mikro-Agressionen; ein Begriff für Formen für Rassismus, die „für das nackte Auge unsichtbar sind“. Niemand wagt zu widersprechen. (Wie in Berlin.)
  • Studenten der Columbia Law School verfassen eine Petition für eine Regelung, dass Schwarze im aktuellen Semester nicht durch Prüfungen fallen können, weil sie eventuell durch Ferguson „traumatisiert“ sind.
  • Immer mehr Jura-Studenten in den USA fordern, dass Vergewaltigung als Thema des Strafrechts nicht mehr gelehrt werden solle, weil das jemanden triggern könnte. Auch ein Wort wie „violate“ in einem Satz wie „Does this conduct violate the law?“ wurde schon beanstandet.
  • Der „Duke Lacrosse“-Fall ist schon ein paar Jahre her, kam aber jetzt im Zusammenhang mit der Rolling-Stone-Geschichte wieder hoch. Drei Studenten wurden einer Gruppenvergewaltigung beschuldigt und ohne jegliche Beweise von der öffentlichen Campusmeinung zu Aussätzigen gemacht. 88 Professoren stellten sich in einer öffentlichen Erklärung hinter den Lynchmob, der unter anderem mit „Kastrieren!“-Schildern fotografiert wurde. Später wurde der Vorwurf eindeutig widerlegt, die drei waren unschuldig. Bekanntlich laufen heute Feministinnen frei in den Medien rum, die der Meinung sind, Beschuldigerinnen solle automatisch geglaubt werden.
  • Ein mit vorgehaltener Waffe ausgeraubter Student findet, er hat in seiner privilegierten Position kein Recht, die Täter zu kritisieren.
  • ‚Yes means yes‘ ist ein schreckliches Gesetz, und ich unterstütze es vorbehaltlos„. Das gemeinte kalifornische Gesetz schreibt Universitäten vor, dass sie bei der Untersuchung von Anschuldigungen sexueller Gewalt feststellen müssen, ob dem Sex ausdrücklich zugestimmt wurde. Ich verstehe ja den Sinn nicht ganz; das Problem bei Vergewaltigungsfällen ist doch die Beweisführung, und wenn ein Vergewaltiger früher behaupten konnte, das Opfer habe nicht nein gesagt, kann er doch heute in Kalifornien genauso gut behaupten, es habe ja gesagt. Dem Autor zufolge ist aber der Sinn auch ein anderer, nämlich: „Männer müssen eine Welle kalter Angst verspüren, wenn eine sexuelle Begegnung beginnt.“ Um Missverständnisse auszuschließen: „Um zu funktionieren, muss ‚Yes means yes‘ eine Welt schaffen, in der Männer Angst haben.“ Insbesondere vor dem Sex. Das wird sicher ein gesundes Sexualverhalten bei Männern hervorbringen. Der Verfasser ist offensichtlich erregt und wiederholt noch einmal mit hypnotischen Punkten zwischen den Worten die Behauptung, eine von fünf Frauen werden an US-Unis Opfer sexueller Gewalt, als würde sie dadurch wahr: „Eine. Von. Fünf.“ (Bin ich der einzige, der das Gefühl hat, dass männliche Feministen oft noch schlimmere Männerhasser sind als weibliche?) Nach offiziellen Zahlen des Department of Justice ist es nicht eine von fünf, sondern 0,03 von fünf – und damit an den Unis weniger als anderswo.
  • Schweden will der machohaften russischen Aggressivität mit feministischer Außenpolitik begegnen. Leider weiß niemand, wie man sich das vorzustellen hat; ihren wolkigen Worten nach zu urteilen auch die zuständige Feministerin Margot Wallström nicht.
  • Nochmal Schweden: Eine schwedische Schule verbietet das Zurschaustellen der schwedischen Flagge.

Am Ende des Videos verliest Sargon einen von Google Translate übersetzten Artikel (hier im Original) von einem schwedischen Mann, der sich schämt und schuldig fühlt, weil er ein Mann ist, also dazu verdammt ist, im Körper des Unterdrückers zu leben, und deswegen z.B. Schminke und Frauenkleider trägt und versucht, sich in intimer Nähe zu anderen Männern wohlzufühlen. Einfach um weniger Mann zu sein.

Ich bin der Unterdrücker. Ich bin Regierungen. Ich bin Diktaturen und Armeen. Ich bin der katholischen Kirche. Ich bin Wladimir Putin und George W. Bush. Ich bin Gewalt und Vergewaltiger.

Wie gesagt, Google Translate. Schwedisch-Englisch funktioniert etwas besser, aber mitleiderregend und höllisch deprimierend ist es dann immer noch. Auch deswegen ist Schweden der Sieger von „This Year in Stupid: 2014“.

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